SMI Motorsport News  25.08.2021
 
DM VG 1/10 in Hildesheim
 
 
 Die „DM is in the books“, wie man so schön sagt. Ich möchte hier einen kurzen Rückblick aus meiner Sicht wiedergeben, speziell vom kleinsten Team in der DM, dem Team „XRAY Germany / ORCAN“. Dabei war mein junger Freund Leon Fuhrmann mit seinem Vater Michael und meine Wenigkeit. Ich hatte im Vorfeld versucht, noch einen Fahrer für unser „Rent-a-car“-Projekt zu gewinnen, bzw Fahrer für die Teilnahme zu motivieren, aber aus Termin- oder familiären Gründen war dieses Jahr nicht mehr drinnen. Aber O.K., dafür war unser Team sehr harmonisch und wir konnten in aller Ruhe ganz entspannt arbeiten.
Angereist waren wir Donnerstag früh, rechtzeitig, um das erste Training auch noch mitnehmen zu können. Die Kantine des Vereins war auch schon geöffnet, und nach einem Kaffee konnte es losgehen.

Erst noch ein paar Worte zur Veranstaltung selbst. Ein großes Lob und ein dickes „Dankeschön“ an den AMC Hildesheim und seinen Helfern. Ihr habt in dieser schwierigen Zeit einen tollen Job gemacht, uns diese DM zu ermöglichen, und trotz der behördlichen Auflagen war es eine gelungene und entspannte Veranstaltung für uns Fahrer. Ein besonders dickes Lob geht an die Küche. Immer freundlich und immer schnell bedient, dazu ausgezeichnete Speisen und Getränke. Besonders gefallen hat mir die Kuchentheke! Unser Rennleiter hatte immer ein offenes Ohr für die Fahrer, und gemeinsam haben wir es geschafft, die Veranstaltung zu einem tollen Event zu machen, der uns noch lange in guter Erinnerung bleiben wird. Erwähnen möchte ich auch noch die Live-Berichterstattung und Onlineübertragung der Veranstaltung durch „MIKANEWS“! Danke dafür!

So, kommen wir wieder zurück zur ersten Begegnung mit der Bahn. Ich habe hier vor 3 Jahren schon mal mit meinem1/8er gespielt, für Leon war die Strecke komplettes Neuland.
Gefahren wurde gleich in Gruppen, damit sich die einzelnen Klassen nicht gegenseitig auf der Bahn behindern. Nach unserem ersten Trainingslauf waren wir uns einig: Es war keine einfache Bahn für uns, auf dem Asphalt zu bleiben war einfach, schnell fahren wird schwierig werden. Leon war wohl der fleißigste Fahrer an dem Tag, er nutzte jede mögliche Minute, um die Bahn kennen- und verstehen zu lernen. Ich beschränkte mich auf meine Trainingsslots und arbeitet an der Abstimmung meines Autos.

Apropo Autos: Leon und ich verwendeten unsere alten bewährten XRAY NT1, die einzigen Autos im Feld auf kompletter Kunststoffbasis hergestellt. Leon vertraute auf seinen ORCAN RS3-MH sowie einen Motor aus FX und Novarossi-Teilen, ich wollte ausgiebig meine neuen FX-Motoren testen und Erfahrung damit sammeln.


Das Resumee von Tag 1: Viel gelernt, vor allem über die Strecke, und Vorstellungen entwickelt, in welche Richtung wir unsere Autos noch feintunen wollen.
Der Freitag sah im Zeitplan wieder freies Training in Gruppen vor, nachmittags gab es dann noch zwei gezeitete Trainingsläufe, deren Ergebnis zur Einteilung der Vorlaufgruppen herangezogen wurde. Gewertet wurden die 3 schnellsten aufeinanderfolgenden Rundenzeiten. So langsam zeichnete sich auch schon ab, das Aufgrund einer breiten Regenfront am Sonntag, die Vorläufe und auch die Finale schon am Samstag ausgefahren werden sollten. Es war der Wunsch aller Teilnehmer, nach Möglichkeit im Trockenen „racen“ zu können.

Der Tag verging wie im Fluge, und nach den beiden gezeiteten Trainingsläufen konnte eine erste Standortbestimmung erfolgen. Die schnellsten Fahrer lagen sehr eng beisammen und ein Großteil der nachfolgend plazierten Fahrer lag auch sehr eng beisammen. Unsere VG10 Klasse war unterteilt in 3 Gruppen nach Fahrerstärke. Leon war in der mittleren Gruppe gelandet, ich in der „schlechtesten“, was aber nicht viel bedeutete. Da jetzt offiziell der Samstag als Renntag feststand, haben wir abends unsere Autos intensiv vorbereitet, da ja Samstag evt. ein langer Renntag mit viel Fahrzeit bevorstand.
Der Samstag, Finaltag! Ungewohnt für uns. Durch die neuen Gruppeneinteilungen musste ich mir einen neuen Helfer suchen, den ich in der Person von Uwe Kröber fand. Hier wusste ich, ich war in guten Händen!. Nachts hatte es geregnet, und vor meinem ersten Vorlaufslot waren noch 4 Gruppen der Sportklassen auf der Bahn. Da ließ ich es erstmal langsam angehen, um den Griplevel auszutesten. Mit Marcus May und Jörg Kappauf hatte ich gleichwertige Fahrer in meiner Gruppe.Es hat mir viel Spaß gemacht, mit Euch zu fighten. Die Rundenzeiten waren fast identisch, nur wer einen Fehler machte, rutschte nach hinten. So ab Laufmitte konnte ich mein Tempo etwas steigern und ich gewann den Vorlauf vor Marcus und Matthias. Schnell den Helferposten einnehmen und Leon beobachten, der direkt nach mir fuhr. Leon fuhr gut, aber wie jeder in dieser Gruppe hatte er mal einen kleinen Fehler, der viel Zeit kostete. In der ersten Vorlaufrangliste landete ich weit vorne, auch, weil viele Fahrer ihre Motoren nicht über die 5 Minuten Vorlaufzeit brachten. Leon platzierte sich gut im Mittelfeld. Das es nach dem ersten Schlagabtausch nicht mit der Platzierung so bleiben würde, das war mir bewusst. In den nächsten 3 Vorläufen ging es bei mir auch nicht mehr vorwärts, einmal einen Fehler gemacht, zweimal die 5 Minuten nicht mehr geschafft, was mir die größere Sorge bereitete. Leon konnte sich steigern, was im den 11.ten Platz in der Rangliste sicherte. Ich war mit meiner Zeit aus dem ersten Vorlauf und mit 0,87 sec. Rückstand auf Leon auf Platz 12 gelandet und freute mich auf mein Halbfinale. In der Mittagspause nochmal frische Dämpfer gebaut und das Setup korrigiert, dann nochmal den Kuchen in der Küche getestet! Da geriet mein Zeitplan etwas durcheinander, den als ich genüßlich die Kaffeetasse zurückstellte, stellte ich fest, das meine Kollegen auf der Bahn schon ihre Motoren für das Halbfinale aufwärmten. Also schnell gesputet, die vorzüglichen Einheitsreifen abgeholt und montiert. Ich erreichte meinen Platz am Fahrersstand und das Auto dank Uwe seinen Starterplatz ( Startnummer 4 ), als die Zeitnahme schon bei 5 Sekunden runtergezählt hatte. Also noch pünktlich! Der Start verlief unspektakulär, jeder behielt seine Position bei. Vor mir fuhr mein Freund Marcus, der gleich in der ersten oder zweiten Runde einen kleinen Fehler hatte, und ich den dritten Platz übernehmen konnte, der für das Aufsteigen in das Finale ausreichen würde. Da ich unbedrängt fahren konnte, legtre ich sofort den „SAFE“-Modus ein. Der erste Tankstopp kam, diesmal bei 4 Minuten 30, Uwe machte einen super Job, ich blieb Dritter, Marcus direkt vor mir, also fast eine ganze Runde Vorspung auf Platz 4. Dann stand ich mal kurz im Gras nach der schnellen Kurve nach der Geraden, was ich mir nicht so erklären konnte, ich bin gefahren wie die Runden vorher auch. Aber kein Problem, der Abstand zu Marcus war immer noch mehr als ausreichend. Dann höre ich doch mein Auto mit Stottergas vor mir um die Ecken fahren. Da war ich echt erstaunt, den mein Gasfinger war eigentlich ruhig. Ende der Geraden ging mir fast wieder die Straße aus, und wieder dieses Stottergas direkt vor mir. Als dann Ende der Geraden mein Auto überhaupt keine Bremswirkung zeigte, war mir klar, ich hatte ein Problem. Mein 7 Jahre altes Gasservo hätte ich vielleicht mal tauschen sollen. Wäre das Problem nach dem letzten Tankstopp aufgetaucht, hätte ich probbiert, durchzukommen. Aber bei noch 13 zu fahrenden Rennminuten wollte ich weder meine Kollegen, noch meinen neuen Motor oder das Auto gefährden. Safety first, also aufgehört. That´s racing!.


Ab jetzt hatte ich wieder etwas Zeit, konnte Leon im Halbfinale die Daumen drücken, ein bisschen filmen und meinem Freund Markus Friedrich bei seinem Finale in 1/8 Sport als Boxenluder dienen.
Leon´s Halbfinale: Die Reifenstrategie war dieselbe, wie ich sie auch vorhatte. Auf der rechten Seite neue Räder, auf der linken Fahrzeugseite kleinere Räder aus den Vorläufen montieren. Damit fährt das Auto länger auf gleichgroßen Rädern, da der Verschleiß auf der rechten Seite doch erhöht ist. Der Start war gut und Leon war voll bei der Pace dabei. Ich habe nicht den ganzen Lauf verfolgt, aber am Ende hatte Leon Probleme mit den Reifen, die ihm auf der rechten Seite ausgingen. Im Ziel war Leon als Dritter gewertet, Das bedeutete: Finale!

Jetzt mussten wir uns einen neuen Schlachtplan zurechtlegen, da Leon sonst beim 45-minütigem Finale nicht mit 2 Reifensätzen wie geplant durchkommen würde. Leon hat einen sanfteren Fahrstil als ich und damit normal weniger Reifenverschleiß, aber hier war es umgekehrt. Der neue Plan: Michael wechselt nach 10 Minuten beim zweiten Tankstopp die rechten Räder, nach 25 Minuten beim Tankstopp dann alle vier Räder neu. Da die Vorbereitungszeit fehlt, sollte auf den Rädern noch genügend Gummi vorhanden sein.
Der Start ins Finale von Startplatz 7 aus war gut, Leon konnte gleich in den ersten Runden Positionen gutmachen. Die Reifenstopps und Tankstopps verliefen wie geplant, Leon war sehr gut dabei. Man muss da immer bedenken, im Feld fuhren Europas 1/10 Elitefahrer mit wie Toni Gruber, Thilo Diekmann, Melvin Diekmann usw. Dann das, was man im Rennen gar nicht gebrauchen kann: Pech! Trotz intensiver Vorbereitung hat sich der 2. Gang verabschiedet. Michael tauschte geschwind das Getriebe, aber der Motor ging dabei aus. Und da der Motor bei soviel Standzeit wohl überhitzte, sprang er nur sehr zögerlich wieder an. Das war dann eine 3 Minuten 38 sec. Runde statt 16 sec., damit verlor Leon gut 12 bis 13 Runden und viele Positionen. Aber hier gilt auch wie bei mir, „That´s racing“!
Am Ende fuhr Leon an der achten Position über die Zielline! Das ist für seinen ersten DM-Finallauf ein ganz, ganz toller Platz. Seine schnellste Rennrunde lag im Rennen nur 0,6 sec. hinter der schnellsten Tagesbestzeit von Toni Gruber, was auch eine starke Leistung ist. Meine persönliche Wertung für Leon: Er hat hier sein Gesellenstück gemacht!!!!!!!!
Noch ein kurzes Wort zu meinen FX-Motoren: Leistungsmäßig in der Serienversion schon auf ein Top-Niveau. Konnte ich in Ettlingen damit 5 Minuten 30, ging es hier in Hildesheim aufgrund der kürzeren Übersetzung nur 4 Minuten 45, aber immer noch weiter als viele Konkurrenzprodukte. Nur unsere guten alten ORCAN – Motoren konnten trotz kurzer Übersetzung weit über 5 Minuten fahren, ohne auf der Geraden langsamer zu sein. Das Handling der Motoren ist einfach, auch das Vergaser einstellen ist nicht kritisch. Ich bin sehr zufrieden damit. Jetzt schauen wir mal demnächst, wie ein MH-getunter FX geht. Bin gespannt darauf.

Was hat jetzt rausgeschaut dabei?
Viel Spaß im Fahrerlager und auf der Strecke mit den Kollegen beim fighten, viel Arbeit für die Vorbereitung für eine DM, neue nette Kollegen kennengelernt und den Zusammenhalt in der VG10-Gemeinde genossen.
Leon Fuhrmann: 8. Platz in der Endrangliste und Deutscher Juniorenmeister VG 1/10 2021! Bravo!
Ich: Deutscher Meister „Veteranen“ 55+ VG 1/10 2021. Der Titel interessiert mich eigentlich nicht, das ich noch ein bisserl konkurrenzfähig bin, ist mir lieber!

Was war noch? Leon Fuhrmann und Fabio Arpino haben vom DMC-Jugendwart je einen Satz Reifen überreicht bekommen. Eine unerwartete und nette Geste seitens des DMC, vielen Dank dafür!


Ich gratuliere noch:
Melvin Diekmann zum Deutschen Meistertitel, den hast Du ehrlich verdient.
Marcus May zum Deutschen Seniorenmeister 40+, den gönne ich Dir von Herzen!

Gruß Hartmut


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